Auslöser sind für mich widersprechenden Aussagen einer Freundin: ich bin in echtem Mitgefühl mit ihr und ihrem Wunsch nach Partnerschaft, Spiel und Freude, diese zu leben in Beziehung mit einem Mann. Ihre Strategien stimmen mich traurig. Weil daraus Unklarheit und Verwirrung entstehen. Ich sehe ihr diese Verwirrung an, sie wird fahrig und nervös. Ihre Ruhe ist dahin. Mir geht diese innere Unruhe nahe und ich vermute, dass ihre Strategien dazu beitragen das Verhältnis zwischen Männern und Frauen zu verschlechtern: statt Vertrauen und Offenheit bleiben Misstrauen, Ängste, Scham und Schuld. Sowohl bei ihr als auch bei ihrem Gegenüber – das ist jedenfalls meine Vermutung.
Mein Verhältnis zu Männern war geprägt von Unsicherheit, wie ich mich verhalten „soll“ anstelle von authentischem ICH SEIN, weil ich Angst hatte so wie ich bin nicht attraktiv genug zu sein. Warum? Weil Vertrauen auch Verstehen bedeutet? Angenommen sein? So OK sein wie ich bin? Weil ich mehr offenes direktes Miteinander mit Frauen erlebt habe? Dabei wünsche ich mir das alles von Menschen unabhängig von Geschlecht, Alter, Hautfarbe oder sonstige „Kriterien“.
Feindbilder
Misstrauen im Sinne von: Männer wollen nur das eine, sie stehen auf Frauen mit bestimmten (veränderlichen) körperlichen Merkmalen, sind verschlossen und können nicht kommunizieren, geschweige denn ihre Gefühle zulassen- wie kann dann ich offen sein, transparent, ohne Angst eins über die Rübe zu bekommen: durch „sein“ Schweigen, weggehen, lächerlich machen, Witze reißen… und wenn ich mit solchen Vorurteilen beladen und den daraus resultierendem Misstrauen gepaart mit meinen Ängsten auf Männer reagiere, kein Wunder, dass dann das passiert was ich gerade bei meiner Freundin beobachten konnte. Mit diesen Vorraussetzungen spielen wir altbekannte Spiele, die oft von frustrierenden und schmerzhaften Gefühlen begleitet sind.
Neue Wege
Vertrauen und Offenheit also ist es woran mir als Basis von Beziehung – unabhängig vom Geschlecht gelegen ist. Die Bereitschaft dran zu bleiben, auch wenn es schwierig oder gar schmerzhaft wird. Dazu braucht es neue Wege: eine Möglichkeit, auf die ich setze ist mich klar und aufrichtig auszudrücken, meine eigenen Vorurteile und Bewertungen, in diesem Fall über Männer, wahrnehme und die dahinter liegenden unerfüllten Bedürfnisse aufspüre. Indem ich mein Herz öffne, und versuche in allem was mein (männliches) Gegenüber sagt, tut, oder nicht sagt oder nicht tut ebenso Bedürfnisse und Gefühle zu erahnen.
Seitdem mir meine Bedürfnisse klar sind gehe ich anders auf Männer zu. Manchmal holen mich meine „Geschichten“ ein. Dann kann es sein, dass ich mich zurückziehe oder andere Dinge tue, die wenig zu gegenseitigem Verständnis oder Freude beitragen. Und ich lerne und wachse damit, und ich vertraue darauf, dass es möglich ist auch über Differenzen hinweg miteinander in Verbindung zu sein. Zu wissen, als tiefes inneres Wissen, dass alle Menschen dazu beitragen wollen, manchmal nur nicht wissen wie, gibt mir Kraft und Zuversicht.

Januar 14th, 2011 at 11:42
Männer sind ja recht unterschiedlich – das besagt auch die soziologische Theorie der Männlichkeiten (Masculinities). Der Autor Peter Jedlicka beschreibt die psychologischen Aspekte recht gut in seinem Buch “Männercoaching” …
J.F.
Februar 23rd, 2011 at 23:03
Hallo Juliane, ja darum geht es mir ja gerade: die Stereotypen in unseren Köpfen zu “entdecken” und dahinter die eigenen Gefühle und Bedürfnisse anstelle von Urteilen zu erforschen. Das ist für mich was es braucht um jegliche Feindbilder zu verwandeln. Und meine eigenen Gedanken und Urteile, und das was für mich dahinter steht, ist das was ich in dem Artikel beschreibe: und das heißt auch: dass ich nicht glaube, was ich denke, sondern Zuversicht und Kraft schöpfe, wenn ich verbunden bin mit meinem tiefen Wunsch nach Kontakt und Verbindung.