Ich sitze in meinem Wohnzimmer, und sehe vier Männer, die einen Kasten tragen. Die Last scheint leicht zu sein, sie gehen langsam und wirken entspannt. Ein Lächeln breitet sich in mir aus. Gerade bin ich von einer 14 tägigen Reise zurück gekommen, müde und angefüllt von den Erlebissen. Beim Anblick der Männer merke ich: ja ich bin zu Hause.
Zu Hause: seit einem guten Jahr lebe ich in einer Wohngemeinschaft am südlichen Stadtrand von Wien. Wir bewohnen ein 10 ha großes Gelände, davon sind 8 ha Wald. Es leben hier ca. 40 Kinder und Jugendliche mit 60 Erwachsenen, alle Generationen sind vertreten. Die vier Männer draußen auf dem Weg kenne ich, und ich vermute auch zu wissen wessen Kasten sie wohin tragen. Allein das ist Grund genug mich zu freuen: ich sehe wie Menschen in meiner nächsten Umgebung beitragen, es ihnen leicht fällt, dies zu tun. Das ist ein wesentlicher Aspekt, warum Gemeinschaft für mich so wichtig ist: wir alle wollen beitragen, und wollen sehen, dass das was wir zu geben haben angenommen, wertgeschätzt wird.
Hier gibt es einen Platz, wo ich das tun, und Andere dabei beobachten kann, wie sie ihre Gaben teilen: denn es ist gar nicht so wichtig für mich, ob ich die Empfängerin bin: allein zu sehen, was diese vier Männer gerade tun erwärmt mein Herz! Natürlich – ich weiß, dass wenn ich Hilfe brauche es hier etliche Menschen gibt, die ich darum bitten kann. Doch allein das Wissen, dass es geschieht reicht aus um mich warm und freudig zu spüren: dazu zu gehören, einen Platz zu haben wo ich gesehen werde und auch beitragen kann: das ist für mich Gemeinschaft.
