Heute las ich in der Zeitung, dass der britische Preminierminister als Reaktion auf die anhaltenden Unruhen in England “Konsequenzen” in Form von verstärkten Strafen und der Drohung mit Gefängnis für alle geantwortet hat.
In mir eine Mischung aus Wut, Trauer und Hoffnungslosigkeit: Wann werden wir als Menschen endlich lernen, dass Strafen niemals Gewalt beantworten und schon gar nicht lösen können, höchstens wegschieben, und eventuell kurzfristig mehr Gewalt unterbinden. Aber zu welchem Preis? und was sind dann die “Konsequenzen”? Zum Thema Strafen möchte ich ein anders Mal schreiben. Jetzt zurück nach England.
Ich war am Montag in London, und habe die Einsatzwagen der Polizei gesehen. Meist junge Männer sah ich da, in kugelsicheren Westen, die Sirenen heulten, und ein Wagen nach dem anderen raste die Straße hinunter. Später sah ich auch Militärhubschrauber. Die Gesichter der Männer: ich sah sie mir im Vorbeifahren an und konnte nur vermuten: haben sie Angst? Wissen sie was sie da tun? Was auf sie zukommt? Haben sie eine Ahnung davon, dass sie eine Wahl haben? Meine eigene Hilflosigkeit und der Schock, den dieses Polizeiaufgebot bei mir auslösten, konnte ich in dem Moment nur damit beantworten, dass ich allen Menschen, egal ob Polizisten oder denen, die Geschäfte plündern, Autos und Straßen in Brand setzen, … meinen Segen schickte. Das ist für mich die Kurzfassung von: wir sind alle Geschöpfe Gottes und ich wünsche uns allen, dass wir das Leben in uns und durch uns achten und ehren. Egal auf welcher Seite wir stehen, im Ende sind wir alle gleich.Ich empfinde Mitgefühl und versuche zu verstehen, was Euch in eurem Innersten bewegt, euch dazu bringt solch radikale Handlungen zu setzen. Die ich keinesfalls mag. Die mich erschrecken und schockieren. Ich will in einer Welt leben, in der ALLE einen Platz haben. In der JEDE/R/S Lebewesen das bekommt was er/sie/es braucht: Schutz, Nahrung, Obdach, Liebe, … in der wir füreinander Sorge tragen, und wenn jemand von uns einen “Fehler” begeht, wir Wege finden, diesen so zu beantworten, dass wir dabei dem Leben dienen.
Die Arbeit, die ich jetzt tun kann, ist mich mit meinen Urteilen über “Polizisten, Politikern und Randalierern” zu beschäftigen und diese in lebensbejahende Gefühle und Bedürfnisse zu übersetzen. (Ich setze alle unter Anführungszeichen, um damit zu signalisieren, dass ich hinter diesen Bezeichnungen die Menschen sehen will)
“Polizisten”: Schutz und Sicherheit sind für Euch mehr als Schlagworte: sie sind das wofür Ihr täglich antretet? Wofür Ihr Eure Gesundheit und Eure persönliche Sicherheit riskiert? Ist es Euch ein tiefes Anliegen, für die Menschen da zu sein, ihnen zu verstehen geben wollt: du bist nicht alleine? Menschen zur Seite stehn wollt, die sich vielleicht selbst nicht “wehren” können, und Ihr selbst aktiv etwas dazu beizutragen wollt? …
“Politiker”: Wenn ihr von “verstärkten Strafen” redet: geht es Euch darum den Menschen, die Euch ihr Vertrauen geschenkt haben, zu zeigen, dass ihr den Schutz und das Wohlbefinden der Bevölkerung an erste Stelle stellt? Dass Ihr den Menschen, die etwas für das Land tun, Steuern zahlen, als Busfahrer oder Krankenschwestern arbeiten, Sicherheit geben und Respekt zollen möchtet? Und schließlich…dass ihr euren Job gut macht? …
“Randalierer”: Wenn ihr Straßen in Brand setzt: Wollt Ihr zeigen, dass auch ihr etwas verändern könnt, Kraft habt? Dass auch Ihr einen Platz in dieser Gesellschaft habt, und gehört werden wollt? Wenn ihr Polizisten angreift: Wollt Ihr zeigen, wie verletzt und wütend und hoffnungslos Ihr seid? Wollt Ihr Euren Schrecken in den Augen von anderen sehen, Euch so lebendiger fühlen?…
Ich wünsche mir und uns allen, dass ihr andere Wege findet um diese Bedürfnisse zu erfüllen. Ich wünsche mir, dass wir Wege des Dialogs und des Aufeinanderzugehen und schließlich der Versöhnung finden. Dass es Menschen strukturell ermöglicht wird, vermittelnd beizustehen und alternative Wege zu Strafen gegangen werden.
Und das ist nur ein Anfang, fühlt Euch eingeladen dieser Spur weiter zu folgen!
